F.L. Spifnik [BEL, I, D, A]

Sam 2.6.2012 - 22:20
Konzert
Doppelkonzert
Eintritt: 
freie Spende
  • Improvised Chamber Folk

  • Lucia Wagner [D] - Geige
  • Daniel Moser [I] - Bassklarinette, Sopransax, Irish Wooden Flute
  • Marinette Bonnert [BEL] - Diatonische Akkordeons
  • Stephan Steiner [A] - Geige, Nyckelharpa

Musik, die im nonverbalen Dialog entsteht, bisweilen eine traumhaft-magische Stimmung entfacht, Innenleben sichtbar macht, zugleich sehr präsent und greifbar ist - und auch immens tanzbar:

Daniels wunderbar sonore und ausdrucksstarke Bassklarinette (oder, ja: Holzquerflöte und Saxophon auch) mischt sich mit den orchestralen Klangflächen und präzisen wie geschmeidigen Melodielinien von Marinettes diatonischen Akkordeons ...

Lucias und Stoneys halbes Streichquartett setzt sich in keckem Dialog darüber, ab und an mischt sich die eigenwillige schwedische Nyckelharpa ein - oder auch Gesungenes.

Vielfältige klangliche Kombinationen entdecken, Grooves ausreizen, und vor allem, den unvergleichlichen melodischen Flow von Folkmusik aller möglicher Herkunft auskosten und als Basis für Inspiration und Kommunikation verwenden:
Wiedererweckte Vergangenheit - Stücke aus der Zeit, als Dudelsack und Drehleier auch hierzulande allgegenwärtig waren oder Country Dances von damals, als die Betulichkeit von Hof und Adel nicht länger der Magie und Kraft der Bordunmusik standzuhalten vermochte - steht neben Rezentem: lebensfreudige Stücke aus der Bretagne wie aus Belgien, aus Skandinavien und Böhmen, und auch Neukompositionen, eigene und von guten Freunden aus dem europäischen Folkrevival.

Das Tradierte als Ausgangspunkt für individuelle musikalische Entdeckungsreisen: Was in den ländlichen Regionen Europas gespielt wurde und im 19. Jahrhundert als "Volksmusik" ettikettiert, ist weitaus abwechslungsreicher und vielschichtiger, als man (immer noch!) so glauben mag. Die Idee, traditionelles Material nicht auf betulichen Schönklang hin zu arrangieren, sondern mit freigeistiger Offenheit, ja bisweilen Radikalität in improvisierende Musik zu transformieren, ist nicht neu. Obwohl selbsternannte Volksmusikpfleger einzureden versuchen, dass die Musik des "Volkes" durch edle Simplizität zu wirken habe und, einmal geformt, zur ewigen Wiederholung verdammt sei: Musikant/innen vieler Länder und Jahrhunderte hielten sich nur selten an diese Vorgabe - das ist gut so!